Tannine Projekt

Rindentannine zur Senkung von Ammoniak Emissionen bei Gülle.

Ein Gemeinschaftsprojekt der HBLA Ursprung, Fachhochschule Salzburg Campus Kuchl und Käserei Woerle mit freundlicher Unterstützung der Cewe GmbH, nach einer Idee von Prof. Konrad Steiner.

Die Landwirtschaft ist der größte Produzent (94%) des schädlichen Gases Ammoniak in Österreich. Ammoniak, eine gasförmige Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff (NH3), wird vermehrt in landwirtschaftlichen Betrieben, die Nutztiere halten, produziert. Durch die Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist entweicht das Gas in die Luft. Ammoniak (NH3) bildet durch Reaktion mit anderen Luftschadstoffen gesundheitsschädlichen Feinstaub und schädigt durch den Eintrag von Stickstoff naturnahe Ökosysteme. 60% der nationalen Ammoniakemissionen stammen aus der Rinderhaltung, während Schweine und Geflügel zusammen knapp ein Drittel der Gesamtemissionen ausmachen. Gemäß EU-NEC-Richtlinie muss Österreich bis 2030 - trotz aktuell steigendem Trend - 12% seiner Ammoniak-Emissionen reduzieren. Es ist auch im Eigeninteresse jedes Landwirtes, Ammoniak in der Gülle zu halten, stellt er doch einen wertvollen Stickstoffdünger dar.

Nach einer Idee von Konrad Steiner erforscht die HBLA Ursprung gemeinsam mit der Fachhochschule Salzburg, Campus Kuchl (https://www.fh-salzburg.ac.at/studium/ing/holztechnologie-holzbau-bachelor), ob Tannine aus Rindenabfällen die Emission von Ammoniak bei der Gülle senken können. In einem Laborversuch im Kleinmaßstab konnte Thomas Sepperer die positive Wirkung mit industriell gewonnen Tanninen aus Rinden von Mimosa und Kastanie zeigen. Bis zu 95% Reduktion der Emissionen wurden gemessen. Details unter: https://www.mdpi.com/2218-273X/10/4/581

Für eine mögliche praktische Anwendung sind aber handelsübliche Tannine in Pulverform unwirtschaftlich. Im Rahmen einer Diplomarbeit untersuchten Peter Ebster, Matthias Schachinger und Raphael Gaisberger (5LW, Maturajahrgang 2021) die Wirkung von Rindentanninen, die sie selbst aus Eichen-, Fichten- und Lärchenrinden auskochten. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Reduktionen von 20% bis 75% wurden bei Rindergülle bei nur 1%-iger Tanninbeimengung gemessen. Weniger Wirkung zeigten Messungen mit Biogasgüllen. Es ist geplant die Untersuchungen zu wiederholen, die Mischungsverhältnisse zu optimieren und anschließen wissenschaftlich zu publizieren.

Zu den Fotobeschreibungen (siehe auch Mouseover):
Foto 1
Eine alte Lehrerwohnung wurde zu einen Güllelabor umgebaut. Thomas Sepperer (FH Kuchl) und die Diplomanden Raphael Gaisberger, Peter Ebster und Matthias Schachinger kalibrieren die Ammoniak-Sensoren.

Foto 2
Die Messungen wurden anschließend im Nebenzimmer gemacht. Probenvorbereitung sollte immer von der Messung räumlich getrennt sein.

Foto 3
Die Sensoren werden über Arduinos gesteuert. Die Messgefäße sind luftdicht, um alle Ammoniakemissionen der ersten 20 Minuten zu erfassen.

Foto 4
Im alten Stall der HBLA Ursprung werden die Tanninextrakte für die Mischungsversuche in Fässern vorbereitet.

Foto 5
Eichenrindensud, Lärchenrindensud, Fichtenrindensud werden mit Gülle vermengt.

(Alle Fotos Copyright Konrad Steiner)

Veröffentlicht am 13.01.2021, HBLA Ursprung

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