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| Autoren: Andreas Waldner Franz Bramböck Stefan Rißlegger |
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Angeborene
und Erworbene Immunität
Unsere Umwelt enthält eine große Anzahl von Viren,
Bakterien, Pilzen und Parasiten. Sie alle können krankhafte Schädigungen
hervorrufen und im Falle einer unkontrollierten Vermehrung können sie
ihren Wirt sogar töten. Unter normalen Umständen allerdings sind
Infektionen meist zeitlich begrenzt und nur sehr selten werden bleibende
Schäden verursacht. Dies ist dem Immunsystem
zu verdanken, welches in der Lage ist, die Krankheitserreger zu bekämpfen.
Es lässt sich in 2 funktionelle Untereinheiten unterteilen, nämlich in
das angeboren und das erworbene Immunsystem. Die angeborene Immunität ist
die erste Verteidigungslinie - die meisten Krankheitserreger werden unschädlich
gemacht, bevor sie eine erkennbare Infektion verursachen können. Gelingt
es ihnen jedoch diesen ersten Verteidigungswall zu überwinden, kommt das
erworbene Immunsystem zum Einsatz. Das auch adaptive genannte System
reagiert spezifisch auf jeden einzelnen Krankheitserreger, wodurch dieser
normalerweise unschädlich gemacht wird. Darüber hinaus merkt sich das
erworbene Immunsystem diesen Erreger und kann so verhindern, dass bei
einem zweiten Kontakt keine Krankheit ausbricht. 1. Phagozyten (=Fresszellen): Sie sind ein Teil des angeborenen
Immunsystems und können Fremdkörper aufnehmen und verdauen. 2. Lymphozyten: Sie vermitteln die erworbene Immunität und sind unter anderem auch zur Bildung von Antikörpern fähig.
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Organe des Immunsystems
(aus „Immunsystem stärken und schützen“) |
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Angeborenes Immunsystem Die äußere Oberfläche des Körpers stellt eine wirksame
Barriere dar, denn die meisten Krankheitserreger können eine gesunde Haut
nicht durchdringen. Die meisten Infektionen dringen durch die
Epitheloberfläche des Darms, der Lungen und des Harn- und
Geschlechtstraktes in den Körper ein. Verschiedene physikalische und
biochemische Vorgänge schützen diese Stellen besonders.
Phagozyten Durchdringt ein Fremdkörper die Epitheloberfläche, so stößt
er auf Phagozytenzellen. Diese bestehen aus vielen verschiedenen Typen,
leiten sich aber von gemeinsamen Stammzellen aus dem Knochenmark ab. Ihre
Aufgabe ist, alle nicht-körpereigenen Partikel zu „fressen“ und somit
unschädlich zu machen. Zu diesem Zweck sind sie an strategisch wichtigen
Stellen postiert, wo sie solche Partikel abfangen können (z.B. in der
Leber). (aus „Kurzes Lehrbuch der Immunologie“)
Natürliche Killerzellen Natürliche Killerzellen (NK) sind spezielle Leukozyten.
Sie haben die Fähigkeit, Oberflächenveränderungen auf virusinfizierten
Zellen zu erkennen. Die NK-Zellen lagern sich an diese Zielzellen an und können
sie töten. (aus „Immunologie“)
T-Zellen Die T-Zellen steuern die meisten Abwehrvorgänge und sind
besonders wichtig bei der Bekämpfung von Viren und Krebszellen. Sie
unterstützen die Fresszellen und andere Abwehrzellen bei ihrer Arbeit.
T-Zellen werden ihrer Aufgabe entsprechend in folgende Gruppen unterteilt: T-Helferzellen regen nach dem Kontakt mit
den Fremdkörpern andere effektiver wirkende Abwehrzellen an. T-Unterdrückerzellen kontrollieren die
Abwehrreaktion: Sie bremsen diese, wenn sie
zu stark werden, oder wenn alle Fremdkörper vernichtet sind. T-Killerzellen sind spezialisiert auf die
Vernichtung von Krebszellen und virusinfizierten
Zellen. Doch auch andere körperfremde Zellen werden von ihnen attackiert
und aufgelöst. (aus „Immunsystem stärken
und schützen“)
Das Komplementsystem gehört zur angeborenen Abwehr. Es
unterstützt die Lyse, Chemotaxis und die Opsonisierung und sie dient
dazu, eine Entzündung unter Kontrolle zu halten. (aus
„Immunologie“)
Erworbene
(adaptive) Immunität Die
Besonderheit dieser Abwehr ist die Spezifität und das Gedächtnis. Die
Immunantwort erfolgt viel schneller, intensiver und ist genau gerichtet.
Dabei
werden die Erreger durch sogenannte Antikörper (Immunglobuline)
vernichtet. Diese Abwehrstoffe werden von B-Lymphozyten gebildet. Beim
ersten Kontakt mit dem Erreger haben diese Lymphozyten jedoch noch
keine „Bauanleitung“, wie ein
passender Antikörper aufzubauen ist. Bis sie diese herstellen können
vergehen einige Tage und genau in dieser Zeit kann es passieren, dass eine Krankheit ausbricht. Haben die Lymphozyten
aber einmal einen bestimmten Antikörper erzeugt, merken sie sich diesen.
Und auch das Aussehen des Erregers behalten sie im „Gedächtnis“.
(immunologisches Gedächtnis; Memory)!
Kommen die Zellen dann mit dem selben Erreger ein zweites Mal in
Kontakt, werden sofort die
B-Lymphozyten angeregt sich zu teilen. Mit dem dieses Mal vorhandenen
Bauplan werden darauf die passenden Antikörper in Massen produziert. zelluläre Abwehr Bei
dieser Form werden die Killerzellen aktiviert. Leukozyten (weiße
Blutkörperchen) erkennen den Krankheitserreger und rufen andere
Fresszellen zu Hilfe, um die Eindringlinge gemeinsam zu vernichten. Diese
werden regelrecht verschlungen, wobei
die Blutkörperchen sogar selbst zu Grunde gehen können. (aus „Immunsystem stärken
und schützen“)
Antigene Alle
Zellen unseres Körpers tragen auf ihrer Oberfläche ein ganz bestimmtes
„Muster“, mit dem sie sich als körpereigen ausweisen können. Alle
nicht-körpereigenen Stoffe aber haben andere solcher „Muster“ und die
werden vom Immunsystem als fremd angesehen. Diese Moleküle an der
Zelloberfläche werden als Antigene bezeichnet und sie sind der
eigentliche Auslöser dafür, dass eine Antikörper Die von
den B-Lymphozyten produzierten Antikörper, auch Immunglobuline genannt,
sind unsere eigentlichen Abwehrwaffen. Als gelöste Eiweißmoleküle (Glykoproteine)
kommen sie millionenfach im Blut und der Lymphflüssigkeit vor. Alle Antikörper haben die Form eines „Y“, und unterscheiden sich nur in der Oberflächenstruktur der Y-Schenkel. Sie bestehen also aus 2 Teilen - einer leichten und einer schweren Kette (Polypeptidketten), die durch Disulfidbrücken verbunden sind (rot). Beide Ketten weisen jeweils einen variablen (N) und einen konstanten (C) Teil auf. Der variable Abschnitt bildet die Komplementärstruktur zu den Antigenen. Bei der Immunabwehr verbindet sich der variable Abschnitt mit der sogenannten determinanten Gruppe des Antigens (Epitop genannt).
Funktionsweise
des Impfens Ein Teil der heutigen Impfstoffforschung ist es, die
vorhandenen Impfstoffe zu verbessern, ihre Spezifität zu erforschen und mögliche
Nebenwirkungen ausschalten. Zum Beispiel wenn ein Impfstoff gegen ein
Antigen reagieren soll, versucht man, dass er nur den Krankheiterreger und
keine anderen Zellen schädigt. Aus den Ergebnissen der Impfstoffforschung und dem genauen
Kennen bestimmter Krankheiten sind wiederum neuartige Ansätze
hervorgegangen. So kann man die Aktivität spezifischer Moleküle gezielt
„steuern“, um die Reaktion des Immunsystems bei Allergien,
Autoimmunkrankheiten und Abstoßreaktionen zu hemmen. Gewisse Reaktionen sind antigenspezifisch, das heißt,
bestimmte T – Zellen, das sind Lymphozyten, die aus dem Knochenmark
stammen und während seiner Entwicklung den Thymus passieren und die über
spezifische Rezeptor mit Antigenpeptiden interagieren, oder Antikörper
reagieren auf ein genaues Ziel – einen eingedrungenen fremden Stoff oder
Organismus. T – Zellen vermitteln dabei die zelluläre oder humorale
Immunantwort. Antikörper sind nach Antigenkontakt von Lymphozyten
produzierte Moleküle, welche die Eigenschaft besitzen, sich mit dem auslösenden
Antigen ( meist aus Aminosäuren oder Kohlehydrate bestehende Makromoleküle,
die oft in Form von zellulären Oberflächenstrukturen auftreten und im Körper
von Organismen Immunreaktionen auslösen) spezifisch zu binden. Nach diesen Fortschritten kam die Forschung nur noch mühsam
voran. Erst im vergangenen Jahrzehnt wurde sie wieder intensiver. Mit
molekularbiologischen Verfahren ( Molekularbiologie = Forschungszweig der
Biologie, der sich mit den chemischen – physikalischen Eigenschaften
organischer Verbindungen im lebenden Organismus beschäftigt ) lässt sich
rasch die kritische genetische Komponente eines Erregers lokalisieren und
isolieren. Die Proteine, für die diese Gene codieren, kann man dann in
reiner Form und in großer Menge herstellen und schließlich Menschen mit
dem kompletten Erreger impfen. Und erweist sich irgendein Protein in einem
potentiellen Impfstoff als schädlich, vermag man es nun leicht zu
entfernen oder zu ändern. Durch die „reinen Impfstoffe“ ist für den
Menschen ein großes Risiko ausgeschaltet worden, denn nun sind keine
lebendigen Impfstoffe im Einsatz, die gefährlich werden könnten.
Spezifität macht einen Impfstoff wirksamer. Mittels monoklonaler Antikörper
( Homogener Antikörper, der von einem B–Zell–Klon ( meist als
Hybridom ) produziert wird ) lässt sich die empfindliche Stelle, in der
man ein Bakterium oder einen Virus töten kann, die sogenannte
Neutralisierungsdeterminante, aufspüren. Die meisten vom Körper gegen
eine Erreger – etwa einem Grippe – Virus – produzierten Antikörper
sind nämlich unwirksam – Sie richten sich gegen Proteine, über deren
Besetzung der Eindringling sich nicht unschädlich machen lässt. Nur
wenige Antikörper zielen auf eine echte Schwäche im Verteidigungssystem
des Erregers. Wenn daher jemand mit dem Protein geimpft wird, aus denen
sich die Neutralisierungsdeterminante zusammensetzt, produziert er
vermehrt Antikörper dagegen und vermag die Krankheit besser abzuwehren. Parallel zur Konstruktion hochspezifischer Impfstoffe hat
man zudem wirksamere Immunisierungsmethoden entwickelt. Beispielsweise können
Killerzellen auf ein Antigen erst reagieren, wenn es von einer
spezialisierten Zelle aufgenommen, bearbeitet und zusammen mit einem MHC
Molekül auf der Zelloberfläche präsentiert wird. Damit dies früher gewährleistet
werden konnte, musste man den Impfstoff aus lebenden abgeschwächten
Organismen oder Viren herstellen - ein
Verfahren, das nicht ohne Risiko ist. Mit neuartigen Hilfssubstanzen zur Verstärkung der
Immunantwort lässt sich dieses Problem umgehen – Sie stellen sicher,
dass das Antigen von der richtigen Immunzelle sozusagen gesehen und
erkannt wird. Man kann es dazu in winzigen Kapseln aus Fettmolekülen (Liposomen)
einschließen, die werden nun im Körper von Makrophagen oder anderen
spezialisierten Zellen des Immunsystems verschlungen. Das heißt sie
werden stückweise präsentiert und sie werden von T – Zellen umringt,
wie ein Star von Fans. Bei einem weiteren zufällig entdeckten Verfahren ruft man
eine Killerzellenantwort mittels DNA ( Desoxyribonukleinsäure ) hervor,
die für ein Fremdprotein codiert; diese wird einfach in einen
Skelettmuskel injiziert oder mittels Gen – Gun in die obersten Zellen
der Haut geschossen. Zwar versteht man die Wirkungsweise noch nicht ganz,
aber es scheint zu funktionieren. Die mit der DNA beschossenen oder
injizierten Zellen dienen als Fabriken, in denen Antigene produziert,
bearbeitet und zusammen mit MHC – Molekülen präsentiert werden. Die
Zellen stellen Fremdproteine aufgrund der Anweisungen der injizierten DNA
her und bieten es dann den T – Zellen in einer für sie erkennbaren Form
an. Durch diese Abwehrreaktion erzielt man eine Immunität die
jahrzehntelang halten kann und beim Eindringen eines Antigens erkennen die
Memory Zellen sofort die Oberflächenstruktur, die gespeichert ist. Und
nun beginnt wieder die Immunreaktion. Trotz dieser Fortschritte vermögen viele Mikroorganismen
das Immunsystem weiterhin zu überlisten. Beispielsweise ändert der
Malaria – Erreger, ein parasitischer Einzeller, durch Umorganisieren
seiner genetischen Ausstattung ständig sein Äußeres und entgeht dadurch
dem Zugriff. Selbst bei genauer Kenntnis der Struktur solcher wandlungsfähigen
Organismen und entsprechenden Impfstoffen wird es immer Erreger geben, die
gegen die Immunisierung ihres Wirts resistent sind. Die bisher beschriebenen Impfstoffe dienen der Verhütung
von Krankheiten. Sie werden schon vor dem Kontakt mit einem
Krankheitserreger verabreicht. Doch auch bei der Entwicklung von
Impfstoffen, die zur Heilung dienen können, profitiert man von den jüngsten
Fortschritten der Molekularbiologie. Ein Beispiel bietet die Immuntherapie
für Patienten, die gegen Pollen oder tierisches Eiweiß allergisch sind.
Bei der traditionellen Desensibilisierung ( unempfindlich machen )
verabreicht man zunächst ein Allergen – etwa einen Pollenextrakt – in
stark verdünnter Form und erhöht allmählich die Konzentration. Diese
klassische Therapie vermag zwar die Empfindlichkeit, die Sensibilität,
des Allergikers zu senken, aber sie hilft nur bei manchen, und ihre
Wirkweise ist nach wie vor umstritten. Raffinierter wäre es, die an der Reaktion beteiligten
Antikörper zu entwaffnen. Die beschriebene Allergie entsteht
normalerweise durch Überproduktion von Antikörpern ( sogenannte
Immunglobuline ) der Klasse E. Logischerweise sollte man also versuchen,
die IgE – Produktion und die IgE-bedingten Reaktionen zu unterdrücken. Wie man weiß, fördern zwei von T – Zellen produzierte
chemische Botenstoffe, Interleukin 4 und Interleukin 5, die IgE-Produktion.
Da viele Allergene auffallend stark die Bildung dieser Stoffe zu fördern
vermögen, könnte man Vakzine ( Impfstoffe aus lebendigen oder toten
Krankheitserregern) zur Blockade von Interleukin 4 und 5 herstellen. Für
den Erfolg dieses Ansatzes sprechen Laborexperimente an Mäusen: Nager,
die kein Interleukin 4 mehr produzieren, sind auch unfähig, IgE
herzustellen. Doch das fehlen der IgE kann negative, noch unbekannte
Auswirkungen haben. Zum Beispiel wirkt IgE gegen Würmer und Parasiten und
wenn die IgE nicht mehr vorhanden sind, fehlt den Eindringlingen ein Feind
und sie können sich vermehren – Ein nicht zu vernachlässigbares
Problem. ( Dr. Sepp Thalhamer) Ein weiterer chemischer Botenstoff, das Gamma-Interferon,
regt die Produktion von Molekülen an, welche die Bildung von Interleukin
4 und Interleukin 5 hemmen. Darum könnten künftige Impfstoffe zur
Behandlung IgE-abhängiger Allergien einen Wirkstoff enthalten, der
speziell die Produktion von Gamma – Interferon anregt. Auch bei Organtransplantationen gilt es, die Immunantwort
zu hemmen. In diesem Fall will man beim Organempfänger eine spezifische
Immuntoleranz für die Antigene des Spenders erzeugen oder –bei
Knochenmarkstransplantationen die vom Spendermark produzierten Lymphocyten
davon abhalten, den Empfänger anzugreifen. Man weiß, dass dies beim
Menschen prinzipiell möglich ist, denn zweieiige Zwillinge, die im
Mutterleib einen gemeinsamen Blutkreislauf hatten, akzeptieren das Gewebe
des anderen. Die bisher erfolgreichste Immunstrategie gegen Abstoßungserscheinungen
besteht im Verabreichen monoklonaler Antikörper, die sich gegen die
Abwehrzellen richten. In der Tat zielt der erste als Medikament
eingetragene monoklonale Antikörper auf den konstanten Teil des
Antigenrezeptors von T-Zellen , die für das Abstoßen von
Nierentransplantaten verantwortlich sind. (Dieser konstante Teil ist bei
allen T- Zellen gleich, während der variable die so umfassende Vielfalt
und Spezifität der Antigen – Erkennung ermöglicht.) Leider hat das
Medikament einen großen Nachteil: Es hemmt zwar die Abstoßung der
transplantierten Niere, legt aber zugleich sämtliche T – Zelle
–Funktionen lahm. Sollte in dieser Zeit ein Krankheiterreger eindringen,
so wäre der Körper hilflos dem Erreger ausgesetzt, denn die Immunantwort
stoppt ab dem Zeitpunkt, wo die T-Zellen ins Spiel kommen würden. Darum konstruiert man derzeit monoklonale Antikörper, die
spezialisierter die unerwünschte Abwehr unterdrücken. Manche zielen auf
die als Hilfsrezeptoren dienenden CD4 – oder CD8 Moleküle von T-Zellen,
andere auf Interleukin-Rezeptoren. Einige dieser Antikörper sollen
bereits bei ersten Versuchen an Patienten positiv gewirkt haben. Therapeutische AIDS –
Impfstoffe:
Im Falle von Autoimmunität, Abstoßung und Allergie muss
die Immunreaktion gezügelt und umdirigiert werden. Bei AIDS und Krebs ist
es umgekehrt, hier gilt es, die Immunreaktion zu verstärken. Im
verzweifelten Kampf gegen die Tücke des AIDS – Erregers, des HIV –
Virus, sucht man neben vorbeugenden Impfstoffen auch therapeutische zu
entwickeln. Obwohl die Experimente
noch keinerlei klinischen Nutzen zeigen, haben sie der Forschung
interessante Perspektiven geöffnet. Ein Ansatz besteht darin, die viralen Hüllproteine von
HIV – gp120 (für: Glykoprotein mit dem Molekulargewicht 120 000 ) oder
gp160 (eine Kombination aus gp120 und gp41) Infizierten zu verabreichen,
die noch keine Krankheitssymptome haben. Wie erstmals am
Walter-Reed- Forschungsinstitut der US – Armee in der Bundeshauptstadt
Washington gezeigt wurde, kann dieses Verfahren die Immunantwort auf das
Virus verstärken. Man findet vermehrt Antikörper, die das Hüllprotein
sowie anderer HIV – Varianten neutralisieren. Normalerweise geht nach
einer HIV – Infektion die Anzahl der sogenannten CD4-T-Zellen, an die
das Virus mit seinen Hüllprotein andockt, stark zurück. Nach einigen
Berichten zufolge bremst die
Impfung mit dem gp 160 – Protein die drastische Abnahme der T4-Zellen. Ein zweiter interessanter Weg zu einem therapeutischen HIV–Impfstoff führt über die Autoimmunität. Norman L. Letvin von der
Harvard-Universität in Cambridge injizierte Makaken rekombinante (neu
zusammengesetzt) CD4-Moleküle, um die Infektion zu blockieren. Die Affen
produzierten Antikörper dagegen (Bild 2 rechts). Diese scheinen keinen
Einfluss auf die normale Funktion von T4-Zellen zu haben, hemmen aber im
Reagenzglas die Vermehrung von HIV und SIV ( das S steht für englisch
simian, Affe). Allem Anschein nach wirken die Antikörper, indem sie die
virale Bindungstelle auf der CD4-T-Zelle blockieren und dadurch den
Erreger am Eintritt in die Zelle und somit an deren Zerstörung hindern.
Außerdem sank nach Impfung SIV-infizierter Affen mit rekombinanten
CD4-Molekülen in einem Zeitraum von bis zu vier Monaten die Zahl der
Viruspartikel im Blut deutlich ab, oder sie verschwanden ganz. Diese Impfmethode ist nach unserer Ansicht eine der
Zukunftsträchtigsten gegen HIV, denn hier wird das übrige Immunsystem
nicht in Mitleidenschaft gezogen.
(aus "Spektrum der Wissenschaft; Spezial: Immunsystem")
Neue
Impfstoffe durch Gentechnik Bald wird es keine Medikamente mehr geben, die nicht in
geringster Form mit Hilfe von Gentechnik hergestellt wurden. Viele
Produkte der Pharmaindustrie könnten ohne Gentechnik weder in
ausreichender Qualität oder Quantität hergestellt werden.
Nun kommen Restriktionsenzyme zum Einsatz. Sie
zerschneiden die Plasmid DNS an bestimmten Stellen, an denen dann die
fremde DNS angehängt wird. Die DNS die eingefügt werden soll, wird mit
dem selben Restriktionsenzym geschnitten, um die gleichen Enden zu
erhalten, die zueinander passen. Anschließend wird die fremde und die
bakterielle DNS zusammengemischt und mit sogenannten Ligasen
“verklebt“. Restriktionsenzyme und Ligasen sind nicht im Reagenzglas
entstanden, sondern sind natürlichen Ursprungs. Es nehmen jedoch nicht alle Bakterien die neue DNS auf,
sondern nur ein geringer Teil, der später herausselektioniert werden
muss. Dies geschieht dadurch, dass man Plasmid-DNS verwendet, die eine
Antibiotikaresistenz (“Markergen“) besitzen. Dieses Antibiotikum wird
nun mit den Bakterien vermischt, sodass nur Zellen überleben, die die
rekombinante DNS aufgenommen haben. Nun wird durch
Klonen der Bakterienzellen die gewünschte DNS vervielfältigt.
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